Freitag, 13. Januar 2012

Schlampenrenovierung für Fortgeschrittene

Als ich in meine jetzige Wohnung zog, waren die Wandfliesen in der Küche blaßgelb (mit dunkelgrauen Fugen) und schätzungsweise 40 Jahre alt. Der dunkelblaue Linoleumfußboden war genauso alt, allerdings hatte hier zwischenzeitlich etwas teppichartiges drauf geklebt. Der Teppich war schon in grauer Vorzeit verschwunden, die Klebereste allerdings nicht unbedingt, und diese erinnerten stellenweise an etwas Bedauernswertes, das den Tod in meiner Küche gefunden haben mußte.




Da mußte ein kleines Make-over her. Was Boden und Wände anging, war schnell klar, was ich machen würde. Auf den Boden sollte Laminat, Optik Ahorn antik für 7,99 Euro den Quadratmeter. Die Wände wollte ich weiß streichen und mit apfelgrünen Streifen akzentuieren. Aber was sollte ich mit den Fliesen anstellen? Abklopfen und neue dran? Ich möchte behaupten, daß ich als passionierte Hobbyheimwerkerin zwar schon so einiges zustande bringe. Ich baue alle Möbel auf, ich verspachtel Wände, ich streiche, ich schmirgel Türen ab und lackiere sie neu. Aber Fliesenlegen?! Nö. Außerdem war mir das zu viel Dreck. Neue Fliesen über den alten Spiegel kleben? Hm. Ich hatte da so meine Zweifel, ob die Rigipswände das zusätzliche Gewicht aushalten würden und ich damit nicht künftig im Treppenhaus kochen würde. Und überhaupt paßten neue Fliesen überhaupt nicht in mein Budget!!

Aber ich hatte da doch mal etwas von Molto Fliesenlack gelesen. Jaa! Super! Pinseln und Streichen kann ich :) Ich weiß nicht, wieviele Internetseiten und Forenbeiträge ich zu diesem Thema recherchiert habe. Die Meinungen reichten von »Yeah, total easy und super« bis »Oh Gott, laß bloß die Finger davon«. Was mich dann davon abhielt, das Molto-Zeug zu kaufen, war der stattliche Preis von 70 Euro für das Gebinde aus zwei 2-Komponentenlacken, die Zuhause angerührt werden. Da mein Fliesenspiegel außerdem nur auf ca. 3,6 qm kommt, hätte ich mehr als die Hälfte des Produktes weggeworfen. Andererseits hatte ich Sorge, wenn ich ein deutlich preiswerteres – verdächtig viel preiswerteres! – Noname-Produkt kaufe, mich nachher mehr über die Qualität des Lacks zu ärgern als alles andere.

Im Onlineshop von Hornbach fand ich dann 2in1-Fliesenlack von der Hausmarke, die gute Rezensionen erhalten hat. Ein Gebinde kostet 25 Euro und reicht für ca. 10 qm, will heißen, meinen kleinen Fliesenspiegel konnte ich mit einer Dose locker zweimal streichen.

Gesagt, getan. Als Vorarbeit habe ich die Fliesen zunächst abgelaugt, trocken gewischt, abgeschmirgelt und zum Schluß nochmal abgelaugt. Verblendungen für Lichtschalter und Steckdose abgenommen (und bei der Gelegenheit mal gründlich gereinigt), dann alles ordentlich abgeklebt – die frisch gestrichenen Wände, den Türrahmen und ganz besonders ordentlich den neuen Fußboden.

In der Nacht auf Heiligabend fing ich dann an, meine Fliesen zu lackieren. Am nächsten Morgen strahlten meine Fliesen (und die Fugen natürlich) in schönstem Weiß. Ich strahlte auch. Nach 3 Stunden war der Lack griffest, nach 12 Stunden konnte ich ihn überstreichen. Ich habe mit dem zweiten Anstrich nur so lange gewartet, bis der Lack grade trocken genug war zum Überlackieren. Das hatte den Effekt, daß der Lack nicht mehr ganz glatt war wie nach dem ersten Anstrich, sondern eine ganz leichte Struktur bekam dadurch, daß die Schaumwalze beim Streichen immer wieder ein bißchen Lack vom ersten Anstrich »anzupfte«. Gefiel mir gut!





In einigen Foren wurde der »unglaubliche Gestank« des Lacks bemängelt. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit – aber ganz ehrlich: schlimm fand ich den Geruch wirklich nicht. Klar, der roch schon irgendwie, aber schwindelig wurde mir davon ganz und gar nicht. Mich hat der Geruch an diese Revell-Farben erinnert, mit denen man Modellflugzeuge und so weiter bemalt. Oder halt an etwas billigen Nagellack, jede Frau wird wissen, was ich meine ;-)

Bis der Lack dann wirklich, wirklich trocken war, dauerte es ca. 2 Wochen. Bis dahin hatte man noch mit dem Nagel Kratzer in den Lack ziehen können. Deshalb schob ich meinen Herd, Kühlschrank und die Spüle erstmal nur bis auf 1 cm an den Fliesenspiegel ran. Mittlerweile ist der Lack wirklich durchgehärtet und alles steht wieder an seinem Platz.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das hast Du richtig gut hinbekommen! Wertet die kleine, feine Küche richtig auf! LG Dani :-)